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Lehr- und Forschungsprojekte

 

Das „Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon“ (WiReLex)

Heike Lindner

Konzipiert und betreut durch zehn Herausge­berteams, verfasst von mehr als 80 Autorin­nen und Autoren und unterstützt durch die Deutsche Bibelgesellschaft und das Comenius-Institut in Münster ist nach zweijähriger Vorarbeit das „Wissenschaftlich-Religionspä­dagogische Lexi­kon im Internet“ (www.wirelex.de) am 2.2.2015 mit fast 100 Artikeln online. Jährlich sollen ca. 100 weitere Artikel folgen und es besteht die Möglichkeit der Aktualisierung. Das Sachlexikon ist frei, d.h. kostenlos, über das Internet zugäng­lich und wendet sich an alle, die mit religiöser Bildung und Erziehung zu tun haben: an Religi­onsleh­rerinnen und Religionslehrer, Gemeinde­päda­goginnen und Gemeindepädagogen, Pfarre­rin­nen und Pfarrer sowie deren Dozentinnen und Dozenten undnatürlich an Theologiestudie­rende. Link

 

 

Die Epistemisierung des Unterrichtsdiskurses

Thorsten Pohl

Epistemisierung soll diejenige kognitive wie sprachliche Entwicklungsbewegung bezeichnen, bei der erkanntes Wissen zusehends aus dem unmittelbar persönlichen Erlebnisraum des erkennenden Subjektes heraustritt und mehr und mehr zu einem von konkreten Situationen in der Welt abstrahierten, unter bestimmten für das Erkennen besonders relevanten Aspekten systematisierten und intersubjektiv ausgehandelten, d. h. argumentativ gestützten Wissen wird. Das erkannte Wissen wird dabei in dem Sinne zu einem kritischen Wissen, als es zunehmend unter den Rechtfertigungsdruck gerät, auch tatsächlich erkanntes Wissen zu sein. Die Folge ist, dass das Erkennen zusehends selbst thematisiert (Aspekt der Reflexivität, Metasprachlichkeit), intersubjektiv ausgehandelt (Aspekt der Diskursivität/Perspektivität) und argumentativ gestützt (Aspekt der Argumentativität/Methodizität) wird/werden muss. Die forschungsleitende These ist die, dass der Unterrichtsdiskurs in nahezu allen didaktischen Zusammenhängen und jeglichen konzeptionellen Ebenen durch jene Epistemisierungsbewegung geprägt ist.

 

 

Die Materie des (bildenden) Geistes. Der material turn im Kontext von Literatur- und Bildungsgeschichte um 1800.

Roman Bartosch, Sieglinde Grimm

Die Geschichte der modernen Bildung ist eine Geschichte des Geistes. Zumindest wurde sie als solche erzählt. Dieses Narrativ wird im Kontext des Projekts hinterfragt und verbunden mit dem derzeit diskutierten material turn in den Kulturwissenschaften. Ziel dieser in den 1980er Jahren eingeläuteten Wende ist es, traditionelle Dualismen, die das komplexe Verhältnis von Gesellschaft und Natur prägen, wie z.B. ,geistig/immateriell – materiell’, ,Subjekt – Objekt’ oder ,Wort – Welt’, zugunsten einer neuen Macht der Dinge (agency) aufzulösen und auf diese Weise das Primat des Geistes zu hinterfragen. Diese Überlegungen sollen im Rahmen des Projekts bildungsgeschichtlich historisiert werden. Übergreifendes Ziel ist es somit, die Bedeutung des deutschen Bildungsdiskurses um 1800 ins Licht des gegenwärtigen material turns zu stellen und umgekehrt diesen turn literaturgeschichtlich zu verankern. Zugleich soll der historische Blick eine theoretische Grundlage liefern für die Etablierung neuerer literatur- und kulturwissenschaftlicher sowie philosophisch-ethischer Ansätze und die Neubewertung von Bildung als zentralem pädagogischen Inhalt im Kontext des material turn ermöglichen.

 

 

FAUNA – Network for Transdisciplinary Human-Animal Studies

Roman Bartosch, Dominik Ohrem, Norbert Finzsch.

In den letzten Jahren spielen die verstärkte Wahrnehmung der globalen gesellschaftlichen Herausforderungen des Klimawandels, der zunehmende Verlust von Biodiversität und andere vielerorts diagnostizierte ökologische Krisenphänomene auch in den Geisteswissenschaften eine immer größere Rolle. Angesichts dessen wird mittlerweile zunehmend die Rolle neuer Bildungskonzepte als Reaktion auf diese Entwicklungen diskutiert, was sich etwa in Ansätzen einer „Bildung zur Nachhaltigkeit“ artikuliert. Vor diesem Hintergrund hat auch die interdisziplinäre Erforschung gesellschaftlicher Mensch-Tier-Verhältnisse (Human-Animal Studies) international massiv an Bedeutung gewonnen, was bisher in der deutschen Bildungslandschaft aber nur wenig rezipiert worden ist. Ein Teilprojekt des Forschungszentrums umfasst die didaktische Rahmung der Forschungsgegenstände für das schulische und hochschulische Lernen und wird begleitet durch Kollaborationen mit den Universitäten Bonn und Siegen.

 

 

HISTOGRAPH – Empirische Geschichtsunterrichtsforschung

Holger Thünemann, Meik Zülsdorf-Kersting (Osnabrück)

 

 

Judentum und Israel als Gegenstand historisch-politischer Bildung

Wolfgang Hasberg, Holger Thünemann

Vor 50 Jahren - am 12. Mai 1965 - vereinbarten Israel und die Bundesrepublik Deutschland die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.
Das Jubiläumsjahr 2015 bietet einen geeigneten Anlass, um die deutsch-israelischen Beziehungen in ihrer historisch-politischen Relevanz zu bilanzieren und um der Frage nachzugehen, welche Rolle Judentum, Israel und deutsch-israelische Beziehungen vor allem in Schulgeschichts-, aber auch in Geographie- und Sozialkundebüchern, und im Geschichtsunterricht spielen.
Die Universität zu Köln (resp. die Abteilung für Didaktik der Geschichte des Historischen Instituts) wird daher in Kooperation mit der Botschaft des Staates Israel, dem Zentralrat der Juden in Deutschland, der Bundeszentrale für  politische Bildung und Milch und Honig - Jüdisches Kulturzentrum Köln e. V. vom 31.08.-02.09.2015 eine Tagung durchführen, um diese Thematik aufzugreifen. Link

 

 

Möglichkeiten und Herausforderungen einer inklusiven Fachdidaktik

Roman Bartosch, Andreas Köpfer, Andreas Rohde, Kim Schick.

Die gesetzlichen Regelungen zur Inklusion stellen eine umfassende Herausforderung und Veränderung des Alltags von Lehrkräften dar, die, so die einhellige Meinung innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft, unzureichend pädagogisch und fachdidaktisch vorbereitet und begleitet wird. Es sind nicht nur schwerwiegende Veränderungen im Bereich der sonderpädagogischen Förderung zu erwarten; vielmehr wird sich der Arbeitsalltag an allen Schulen und in allen Schulformen verändern, so dass angezeigt ist, sowohl die Studierenden, aber auch die universitär Lehrenden mit den Herausforderungen und Möglichkeiten inklusiven Unterrichts vertraut zu machen. Es wird angenommen, dass die Veränderungen im schulischen Alltag gerade für die Fachdidaktiken eine Chance bedeuten, das eigene Profil zu stärken; gleichzeitig wird immer deutlicher, dass Inklusion nur gelingen kann, wenn ausreichende Möglichkeiten zum Dialog zwischen Studierenden der verschiedenen Lehrämter, universitären Akteuren der Fachdidaktiken und der Förderpädagogik sowie den in der universitären Lehre beschäftigten Mitarbeiten geschaffen werden.

 

 

Praktische Philosophie als Ersatzfach für die Primarstufe

Anne Goebels, Thomas Nisters

http://www.pedocs.de/volltexte/2014/9994/pdf/Goebels_Nisters_2014_Tagungsband_Philosophie_ein_Kinderspiel.pdf

 

 

Role-based Language Learning

Andreas Rohde, Martina Weitz, Kim Schick, Johanna Schnuch, Roman Bartosch, Ulla Schäfer, Daniela Elsner (Frankfurt).

In diesem Vorhaben wird der Versuch unternommen, in Anlehnung an das „Task-based learning and teaching“ eine Methode für den Fremdsprachenunterricht zu schaffen, die das Rollenspiel als zentrales Element des Unterrichts vorsieht. Ziel ist, anders als in dramapädagogischen Ansätzen und im szenischen Spiel, die Rolle als zentrales Moment des handlungsorientierten Unterrichts zu verorten und durch die Verkörperung von Rollen das Bedürfnis zu kreieren, die Fremdsprache als Handlungsinstrument zu nutzen. Es wird angestrebt, die Methode auf der theoretischen ebenso wie auf der praktischen Ebene so zu konkretisieren, dass sie in regelmäßigen Abständen sowohl in der Primar- als auch in der Sekundarstufe eingesetzt werden kann. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei das Bereitstellen der erforderlichen sprachlichen Mittel im Rahmen eines zu skizzirerenden analytischen Lehrplans. An diesem Projekt sind meine Mitarbeiterinnen Dr. Martina Weitz, Kim Schick, Johanna Schnuch, Dr. Roman Bartosch, die ehemalige Grundschulfachleiterin Ulla Schäfer sowie Prof. Dr. Daniela Elsner von der Goethe-Universität Frankfurt beteiligt.

 

 

Sekundäre Literalisierung/Distanzsprachliche Sozialisierung

Thorsten Pohl

Forschungsprojekt mit insgesamt vier systematisch aufeinander bezogenen Teilprojekten:

  • Die an die Schüler gerichtete Sprache (Lehrersprache)
  • Fachsprachliches Motherese in der Schulbuchliteratur
  • ‚Distanzsprachliche’ Schreibentwicklung
  • Sekundäre Literalisierung (Schülersprache)

Leitende These des Gesamtprojektes ist, dass es während der Schulzeit zu einer Überformung und Anreicherung der sprachlichen Kompetenzen bei den Schülern und Schülerinnen kommt, ein Erwerbsprozess, der maßgeblich und damit zu weit überwiegenden Teilen durch die Schriftsprachlichkeit oder Literalität geprägt ist. Weiterführender Spracherwerb (etwa nach dem sechsten Lebensjahr) ist in diesem Sinne zu verstehen als eine sekundäre Literalisierung (nach der primären Literalisierung des Schriftspracherwerbs). Es ist zugleich ein Vorgang, der hochgradig durch institutionelle (schulische) Rahmenbedingungen beeinflusst und gelenkt wird. Dem entsprechend sollen im Rahmen des angestrebten Projektes wichtige Einflussfaktoren seitens der Institution (als mündliche Erwerbskontexte: die von Lehrern- und Lehrerinnen an die Schüler gerichtete Unterrichtssprache und als schriftliche Lernkontexte: Schulbuchtexte und Unterrichtsmaterialien) untersucht werden. Es muss sich dabei um ein Projekt handeln, das verschiedene geisteswissenschaftlich fundierte Schulfächer (etwa Geschichte und Sozialwissenschaften) und naturwissenschaftlich fundierte Schulfächer (etwa Biologie und Physik) gleichermaßen umfasst, da der zu beobachtende Aneignungsprozess im Grunde für sämtliche Unterrichtsfächer relevant ist. Es werden daher Forschungskooperationen zu anderen Fachdidaktiken unbedingt angestrebt.

 

 

Unterrichtsvideos in der Lehrerausbildung und Lehrerweiterbildung im Fach Geschichte

Holger Thünemann, Colin Flaving, Christoph Wilfert

Die qualitative Weiterentwicklung von Unterricht gehört zu den zentralen Herausforderungen und Handlungsfeldern von Schulen und Universitäten, an denen künftige Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet werden. Vor diesem Hintergrund arbeiten die Abteilung für Didaktik der Geschichte der Universität zu Köln und die Fachkonferenzen „Geschichte“ verschiedener Partnerschulen gemeinsam daran, sowohl eine Qualitätsverbesserung der Lehrerausbildung an der Universität zu erreichen als auch die Qualitätsentwicklung des Geschichtsunterrichts an den Schulen voranzutreiben. Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Videographie von Geschichtsunterrichtsstunden an den jeweiligen Partnerschulen sowie deren kollegiale Nachbesprechung. Die Videographie von Unterricht bietet den FachlehrerInnen die wertvolle Gelegenheit, das eigene unterrichtliche Handeln (ohne unmittelbaren Handlungsdruck) nachträglich „von außen“ zu betrachten und im Austausch mit KollegInnen sowie Geschichtsdidaktikern der Universität zu relektieren. Die Geschichtsunterrichtsentwicklung an den Partnerschulen (z. B. die Identiizierung gelungener Unterrichtsaspekte, lernförderlicher Unterrichtsstrategien und/oder alternativer Handlungsmöglichkeiten etc.) wird auf diese Weise zu einem kollegialen und wissenschaftlich begleiteten Prozess.